Die Pfarre St. Rochus und Sebastian Oratorium des Hl. Philipp Neri
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Oratorium des Hl. Philipp Neri
Hl. Philipp
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Überschrift Philipp | Der Heilige Philipp Neri  
Juli 2005  


Der Heilige Philipp Neri

Die Daten sind schnell aufgezählt: geboren wurde er 1515 in Florenz, und bis zum hohen Alter hat man ihm das Florentinische, die feinsinnige Kultur, die markante Freiheitsliebe angemerkt...





Der Heilige im Alter



Der hl. Philipp bei der Feier der hl. Messe



Der hl. Philipp und die Jugend



Eine Büste des Heiligen



Ein Portrait von 1645



Philipp Neri im Gebet



Philipp sagt, nicht er sei der Gründer, sondern der Herr selber

 

Die Gestalt des hl. Philipp

Die Daten sind schnell aufgezählt: geboren wurde er 1515 in Florenz, und bis zum hohen Alter hat man ihm das Florentinische, die feinsinnige Kultur, die markante Freiheitsliebe angemerkt. Auf seiner Reise zum Süden, die ihn zum Kaufmann ausbilden sollte, ist er in Rom hängengeblieben. Niemals ist er davon losgekommen, darin Sokrates ähnlich, der immer in Athen blieb; aber ihm mehr noch ähnlich, weil er wie Sokrates auf seine liebenswürdige Weise die Menschen fragen konnte, bis sie hinter dem sinnlosen Treiben der Renaissance wieder den Grund fanden. Eine seiner freundlichen Fragen, die so leicht in Verlegenheit und in die Tiefe führten, lautete: „Wann wollen wir denn anfangen, Gott zu lieben?“ Spät erst wurde er auf Drängen seines Beichtvaters zum Priester geweiht. Und dann suchten ihn immer mehr Menschen als Beichtvater und Ratgeber.

Wie ein Magnet zog Philipp die Menschen an, und um sie nicht wieder zu verlieren, begann er mit denen, die bei ihm beichteten, das „Oratorium“. Zuerst war es eine kleine Gruppe, die sich bei ihm im Zimmer traf. Im Mittelpunkt standen Gebet und die Heilige Schrift, die gemeinsam gelesen und erklärt wurde. Bald wuchsen Vorträge und Musikstücke dazu, Prozessionen und Krankendienste in den Spitälern Roms. So sehr war das Oratorium gewachsen, daß aus der Zelle ein Haus wurde, dem man auch den Namen „Oratorium“ gab. Mitten im verweltlichten Rom war noch einmal die Urkirche lebendig geworden, von der die Heilige Schrift sagt, daß die Christen alles gemeinsam hatten und ein Herz und eine Seele waren. Als Philipp alt wurde, drängte man ihn, diesem Oratorium eine feste Regel und damit Dauer zu geben. Schließlich gab er nach, aber er gab doch so wenig Vorschriften wie möglich. Philipp sagte den Seinen immer: „Sorgt dafür, daß ihr unbekannt bleibt.“

Er lebte in einem dramatischen Jahrhundert. Um ihn herum der Stolz über die großen Entdeckungen und Erfindungen, die Bewunderung für die heidnische Klassik, der neue Humanismus und die überschwengliche Hinwendung zur Welt. Philipp brachte es zuwege, nichts Positives zu verachten, die Welt und die Kunst in ihrer Schönheit zum Klingen zu bringen. Aber dennoch tat er mit seinen Freunden das, was notwendig war und andere übersahen: Er ging in die Hospitäler, half den Kranken, den Gefangenen und Pilgern, kümmerte sich um die Kinder und die verwahrloste Jugend. Und in all dem wilden und bunten Leben bewahrte er den Glauben und lebte ihn auf eine so fröhliche und ansteckende Weise, daß man ihn bald den Apostel Roms nannte und daß ihn heute noch die Römer als solchen verehren.

Am 26. Mai 1595 ist Philipp gestorben. Daß es in der Nacht des Fronleichnamsfestes war, ist wohl eine glückliche Fügung für ihn, der eine tiefe und ganz persönliche Verehrung für den Herrn in der Brotgestalt hatte. Unter dem wenigen, was er nicht verschenkt und verbrannt hatte, gibt es eine Sonett, das schließt mit dem Vers: „Vivere! Vivere semper in Dio e a sè morire.“ „Leben! Immer in Gott leben und sich selber sterben.“

Wie wird man Oratorianer? - Die Berufung zum Oratorium

Dazu sagt eine alte Regel: wer zum Oratorium komme, müsse „sozusagen dafür geboren sein“ (quasi-natus), und an dieser Bemerkung stoßen sich seit Jahrhunderten die Köpfe. Vielleicht genügt als Deutung ganz einfach die Feststellung, daß es „gegeben“ sein muß, also Gnade ist, da man ja bei der Geburt nichts hat als das Geschenkte. Dennoch kann man hinzufügen, daß jemand zum Oratorium kommt, weil er sich hingezogen fühlt zum hl. Philipp und wie er für die Menschen wirken möchte. Aber er möchte diese Arbeit tun in Gemeinschaft, in einer kleinen familienähnlichen Gemeinschaft von Priestern und Laien, mit denen man zusammen lebt und betet und bei denen man bleiben will bis zum Lebensende. Das ist anders und mehr als die so nützliche Teamarbeit. Es ist Lebensgemeinschaft, die erfahren hat, daß nur eine Bindung, die sich ganz gibt und für immer gibt, echte Frucht der Liebe ist. (Das sog. „Noviziat“ besteht deshalb ganz einfach in einer Probezeit dieses gemeinsamen Lebens. Man prüft, ob man mit dieser Gemeinschaft in dieser Situation ein Leben des Gebets und Apostolats teilen kann. Ist man nach drei Jahren volles Mitglied, trägt man in eigener Verantwortung diese Gemeinschaft mit und bestimmt ihren Weg in die Zukunft.) Ronald Knox sagt mit englischen Charme: „Ein Sohn des hl. Philipp sein, d.h.: nicht mit einem ganzen Apparat von Pflichten und Verboten belastet sein, sondern d.h.: ein Gefangener der Liebe sein, angekettet an dein Haus, an deine Kirche, vor allem an den Beichtstuhl in der ständigen Bereitschaft, Menschen für Christus zu gewinnen.“

Was die Soziologen als Elemente einer Gemeinschaft ansehen, gehört von Anfang an zum Charisma des Oratoriums: eine kleine Gemeinschaft der „gut bekannten und vertrauten Gesichter“, d.h.in der man sich kennt (kein großer Orden); außer dem Charisma des Gebetes gibt es keine Festlegung des Apostolats; die innere Struktur ist demokratisch-kollegial, d.h. alle wichtigen Entscheidungen werden von der Gemeinschaft getroffen. Damit werden die Vorzüge einer demokratischen Gemeinschaft sichtbar: Freiheit, Verantwortung des Einzelnen, Selbstdisziplin und Dezentralisierung (jedes Haus ist autonom, und es gibt keinen Generaloberen). Besser und einfacher sagt es Baronius, der große Schüler des hl. Philipp, in seiner Kirchengeschichte: „Es schien, als ob die schöne Zeit der ersten Christen mit ihren apostolischen Versammlungen mit einer Anpassung an die Zeitverhältnisse wieder aufgelebt sei.“ (Annalan I., Pastor IX.) Wiederum also: das Ursprüngliche der Urkirche („Sie waren ein Herz und eine Seele“, Apg 4,32) und die Anpassung und Verwirklichung in der modernen Zeit! Es ist tatsächlich so: Während man eine Regel immer auslegen muß, muß man eine Tradition bewahren, oder man geht zugrunde.

Man sieht schon: für das Oratorium ist Gemeinschaft nicht einfach ein nützlicher Zweck, sondern ein letztes Ziel, unsere endgültige Bestimmung. Das ist nur möglich, wenn der Hl. Geist selber das Oratorium zusammenhält und wenn Gebet und Offenheit uns zur Beständigkeit helfen. Aus Erfahrung erinnert uns ein altes Wort immer daran: Ob jemand ein rechter Oratorianer war, das weiß man erst an seinem Lebensende.





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