Liebe Pfarrgemeinde und Gottesdienstbesucher von St. Rochus! Traurig muss ich Ihnen im Namen des Oratoriums mitteilen, dass P. Georg Herberstein auf seinen eigenen Wunsch, den er seit längerem erwogen und uns schließlich im Herbst mitgeteilt hat, das Oratorium verlassen und am 1. März als Priester in die Erzdiözese Wien übertreten wird. Unser Erzbischof Kardinal Schönborn wird ihn mit der Leitung einer großen Pfarre beauftragen. Viele, die wie wir traurig sind, dass P. Georg weggeht, werden nach den Gründen fragen. Dazu muss man wissen, dass Oratorianer Weltpriester und nicht durch Gelübde und Versprechen gebunden sind. Im letzten kann nur der, der weggeht, seine Gründe dafür nennen, und muss seine Entscheidung vor Gott und sich selbst verantworten. Oratorianisches Gemeinschaftsleben bedeutet mehr, als freundschaftlich verbunden miteinander zu leben. Es bedeutet darüber hinaus, seinen Willen dem Willen der Gemeinschaft täglich neu anzugleichen, wie es Kardinal Newman als Wesen unserer Berufung charakterisiert. Das ist eine große Herausforderung bei einer Gemeinschaft von 10 Leuten, die alle ihre eigenen Lebenserfahrungen und Sichtweisen einbringen. Und es gehört eben auch zum Wesen der Berufung zum Oratorium, dass jeder Tag, den man da ist, der Gemeinschaft frei geschenkt ist. In diesem Sinne danken wir P. Georg für 7.418 Tage und für alles, was er in dieser Zeit für uns gewesen ist und hier gewirkt hat! Unsere Gemeinschaft fragt sich natürlich auch, wo die Schuld bei uns liegt, dass es zu so einem Schritt kommen konnte und dass wir ihn nicht rechtzeitig verhindern konnten. Schweren Herzens respektieren wir also den persönlichen Wunsch P. Georgs und bleiben ihm, wie viele Menschen in unserer Pfarre, - so wie hoffentlich er auch uns - freundschaftlich verbunden. Wir wünschen ihm von Herzen Gottes Segen für seinen künftigen Lebensweg und seine neuen priesterlichen Aufgaben! Kardinal Schönborn ernennt auf Vorschlag des Oratoriums P. Florian Calice CO mit 1. März zum neuen Pfarrer von St. Rochus. P. Florian stammt ebenfalls aus unserer Pfarrgemeinde und war hier viele Jahre lang Kaplan. Zur Zeit befindet er sich in Rom für ein Doktorats-Studium, das er nun unterbricht. Wir werden alles tun, dass er neben seiner neuen Aufgabe sein Doktorat in Wien abschließen kann. Nach der Abendmesse am Sonntag, dem 1. März, an dem P. Florian sein Wirken als Pfarrer beginnen wird, laden wir herzlich zu einer Feier des Amtsantritts des neuen und zur Verabschiedung des scheidenden Pfarrers ein. Es tut mir sehr leid, dass ich Ihnen alle diese Nachrichten nicht persönlich am Ende der Sonntagsgottesdienste mitteilen kann. Wir mussten erst die Entscheidungen unseres Erzbischofs abwarten, bevor wir nun an die Öffentlichkeit treten. Wenn Sie diesen Brief hören, befinde ich mich auf einer seit Monaten geplanten Dienstreise in die Vereinigten Staaten und nach Kolumbien. Nach meiner Rückkehr am 5. Februar stehe ich natürlich wie P. Georg und die anderen Mitbrüder für persönliche Nachfragen zur Verfügung.
Mit der Bitte um Ihr Verständnis und Ihr Gebet
P. Felix Selden CO Präpositus des Wiener Oratoriums
Liebe Brüder und Schwestern!
Euch so anzusprechen, bedeutet mir mehr als nur Konvention. Die Gemeinde von St. Rochus habe ich immer schon als Familie angesehen. Insofern fällt mir mein Entschluß alles andere als leicht. In letzter Zeit hat es sich immer deutlicher gezeigt, daß ich offensichtlich eine andere Entwicklung nehme als das Oratorium. So bin ich für mich zum Entschluß gekommen, die Gemeinschaft des Oratoriums mit 1. März zu verlassen und werde ab Herbst voraussichtlich eine andere Pfarre in Wien übernehmen. In der Zwischenzeit wird mir ein Sabbatical in Rom ermöglicht. Es freut mich sehr, daß dies in aller Freundschaft zu den Mitbrüdern möglich ist. Meine ganze Prägung als Priester habe ich durch das Oratorium in St. Rochus erfahren. Dafür werde ich auch immer dankbar bleiben. St. Rochus bleibt natürlich auch meine Heimatpfarre, aus der ich stamme. Das schönste Zeugnis, daß man mir als Seelsorger jetzt ausstellen kann, ist, wenn man auch nach meinem Weggang die Mitbrüder in St. Rochus mit der Großzügigkeit und dem Engagement unterstützt, wie ich das in den Jahren, in denen ich hier Priester sein durfte, erlebt habe. Gleichzeitig ist es meine Hoffnung, daß die vielen schönen Freundschaften, die mir hier geschenkt worden sind, meinen Weggang überleben. Ich wünsche Euch allen Gottes reichen Segen für die Zukunft, daß die Freundschaft mit Christus Euch bestärkt und Ihr so auch weiter am Aufbau des Reiches Gottes mitwirken könnt. Bitte betet für mich, wie auch ich Euch alle in mein Gebet, besonders bei der Feier der heiligen Messe, einschließen werde.
Euer
Johann Georg Herberstein
PS: Falls jemand den Wunsch haben sollte, mir anläßlich meines Abschieds eine Freude zu machen, wäre ich sehr dankbar, wenn man das Kirchenbauprojekt in Eseka unterstützen könnte. (Erste Bank, BLZ 20111, r.k. Pfarramt St. Rochus, Nr. 28365351800, Verwendungszweck: Eseka)
|